Wie die Industrie Fahrzeug-Prototypen tarnt

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er fasst ihn sicher, er hält ihn warm

So fängt die bekannte Ballade „Erlkönig“ von Johann Wolfgang Goethe an. Eigentlich eine sehr düstere, gespenstische und geheimnisvoll Ballade. Und gerade das geheimnisvolle daran dürfte dafür gesorgt haben, dass man in der Erprobung befindliche Fahrzeug-Prototypen eben auch Erlkönige nennt. Schliesslich machen die Hersteller grundsätzlich ein riesen Geheimnis um neue Fahrzeug Modelle.

Das Problem, welches die Hersteller haben, ist nämlich, dass sie Prototypen nicht auf Dauer hinter hohen Mauern und Stachdraht testen können. Irgendwann ist der Entwicklungsstatus soweit, dass der Prototyp raus in den realen Straßenverkehr muss, um dort erprobt zu werden. Und natürlich sollen Kunden und Konkurrenz nicht zu früh von neuen Formen und Designs erfahren.

Tarnen und Täuschen

Um das zu verhindern, tarnen die Hersteller ihre Prototypen in der freien Wildbahn. Und hier wird getarnt was das Zeug hält. Eine ganze Zeit lang wurde neue Fahrzeuge im Prinzip gepanzert. Und zwar mit dicken Plastikplatten, welche am Fahrzeug angebracht wurden und so die Formgebung verschleiern sollten. Das ist zwar eine prima Tarnung, allerdings mit erheblichen Nachteilen. Zum einen müssen diese Teile extra angefertigt werden, erhöhen das Gewicht und verschlechtern die Aerodynamik des Fahrzeugs. Zudem muss der TÜV derlei Veränderungen abnehmen. Und gerade die Veränderungen in Gewicht und Aerodynamik sind ab einer gewissen Erprobungsphase nicht mehr hinnehmbar.

Folien die Formen vorgaukeln

Die Lösung hier sind Folien mit speziellen Mustern, die auf das Fahrzeug geklebt werden. Und was diese asymetrischen Muster angeht, nutzt im Prinzip jeder Hersteller ein eigenes. So setzt BMW zum Beispiel eine Art Strudelmuster ein. Dank diesem ist es selbst mit bloßem Auge kaum möglich die tatsächliche Form des Fahrzeuges zu erkennen. Auch ist es sehr schwierig in Foto eines solchen Fahrzeuges so zu bearbeiten, dass ein „vorzeigbares“ Auto dabei herauskommt. Audi erreicht mit seiner Version der Tarnung zum Beispiel, dass Lichtkanten dort zu sein scheinen, wo eigentlich gar keine sind. Opel simuliert dahingehend Wölbungen, wo eigentlich eine Fläche ist.

Interessanterweise soll es sogar Kunden geben, die solche Tarnungen so cool und gelungen finden, dass sie ihre Fahrzeuge am liebsten in genau dieser Optik haben würden.

Auf dem Foto oben ist übrigens ein Erlkönig zu sehen, der mir mal zufällig auf einem Supermarkt-Parkplatz begegnet ist. Naja, auch ein Erlkönigfahrer hat hin und wieder mal Hunger.

 

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